“Utopia do Brasil” von Martin Schob

Viele Drachenfans kennen diese fast irrwitzige Drachenkonstruktion vom Tricktail-Erfinder Martin Schob zumindest noch von Fotos. Doch Genaueres weiß man über diesen sonderbaren Drachen oft schon gar nicht mehr. Als der Serien-Utopia von Flying Wings in den Drachenläden aufgetaucht ist, musste ich ihn damals einfach haben. Das Tricktail-Feeling hatte es mir angetan und die Erwartungen waren groß. Der “kleine TrickTail” sollte sich noch trickbetonter fliegen und auf alle Wünsche und Lebenslagen des Piloten einstellen lassen. Durch sein zweigeteiltes Segel war es möglich, den Utopia mit unterschiedlich tiefem Profil zu fliegen. Mehrere Standoff-Positionen und -Längen, sowie das das vom Tricktail schon bekannte “Competition-System” – die variable Position der Seitenverbinder auf den Leitkanten – gaben dem Piloten eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Lenkdrachen auf seine persönlichen Bedürfnisse einzustellen.

Für ambitionierte Drachenpiloten war der Utopia der reinste “Experimentierbaukasten” – alle Setups konnte nach Herzenslust variiert und kombiniert werden. Immer wieder wurde etwas verändert und das resultierende Flugverhalten studiert, bis man die persönlich optimale Einstellung gefunden hatte … oder eben nicht! Denn genau diese Variabilität des Utopia war es, die mich als unerfahrenen Drachenpiloten begann zu überfordern. An manchen Flugtagen war ich mit meinem Utopia sehr glücklich und kurz darauf wollte das “komische Ding” einfach nicht so fliegen, wie ich mir das ausgedacht hatte. Irgendwann beschloß ich, eine Aktivwaage für den Utopia zu bauen. Mit dieser war er durchaus steuerbar, aber das “Tricktail-Feeling” war nun völlig dahin – unsere Trennung war somit nur noch eine Frage der Zeit…

… kommt Zeit, kommt Utopia-Handmade! – Gibt’s sowas überhaupt? Ja, es gibt sie – selbst unter eingefleischten Tricktail-Fans ist fast in Vergessenheit geraten, dass auch der Utopia einmal direkt bei Martin Schob zu bestellen war. Diese handgefertigten Utopias sind heute sehr rar geworden. Meine “Fahndung” nach dem Verbleib dieser Drachen im Drachenforum blieb ziemlich erfolglos. Wie es der Zufall so wollte, fand sich aber ein Utopia-Besitzer, der sich für eine angemessene Ablösesumme sogar von seinem Handmade trennte. Die besonderen Farben dieses Handmade entsprachen zwar nicht ganz meinem Wunsch, aber auf den zweiten Blick habe ich mich in meine “brasilianische Edition” dann doch verliebt.

Was unterscheidet nun die Handmade-Version vom Serienmodell? Eigentlich gar nicht viel. Der Aufbau und die Materialwahl unterscheiden sich kaum. Die Verarbeitung beider Modelle ist auf sehr hohem Niveau. In erster Linie sind es die besonderen Farbkombinationen, die so nie im Handel waren. Vielleicht ist die Besonderheit des Utopia Handmade aber auch das Quäntchen mehr “Utopia-Feeling” – das Gefühl einen Drachen fliegen zu dürfen, den sich ein wirklich kreativer Kopf ausgedacht und auch selbst gebaut hat.

Neuer Long-Dart-Nachbau gesichtet!

Wieder einmal hat es ein Drachenbauer gewagt, sich mit den Bauanleitungen von Günter Wolsing zu beschäftigen und einen Long Dart “Großer Onkel” aus dem Buch “Drachen und Gespanne” gebaut. Frank “Blackbird-xx” hat sich beim Design am bekannten “Silent Dart 60″ von HQ-Kites orientiert. So ist ein wunderschöner “Großer Onkel” nach Günter Wolsings Bauanleitung entstanden, der sogar noch 4 Paneele mehr als sein Designvorbild hat!


(c) by Blackbird-xx

Schadensbegrenzung!?

Wie allgemein bekannt haben viele User zusammen mit meinem Buch “Große Lenkdrachen” auch mein erstes Buch “Lenkdrachen und Gespanne” von mir haben wollen und auch bekommen. Andere berichteten, das Buch schon ihr Eigen zu nennen und haben es weiter empfohlen. Demnach ist es denkbar, in diesem Thread eine ganze Menge Leser zu erreichen, um auf einen bösen Maßfehler hinzuweisen.

Blackbird-xx ist über ihn gestolpert, als er den Long Dart Großer Onkel bauen wollte und hat mich darauf angesprochen. Nach Überprüfung der alten Entwurfsunterlagen habe ich meinen Fehler erkannt und ihn gemeinsam mit Blackbird-xx berichtigt.

Es handelt sich um die Zeichnung 6: Entwurf für den Großen Onkel auf Seite 72. Die Abstände auf der Seitenstabtasche mit 52cm von der unteren Segelspitze bis zum unteren Querverbinder und weiter mit 122cm bis zum oberen Querverbinder sind falsch.

Richtig ist: 72 cm von der Spitze und weiter mit 98 cm bis zum oberen Querverbinder.

Ich bitte alle, diese Berichtigung “von Hand” vorzunehmen. Hätte ich davon gewusst, wäre die Berichtigung in den Büchern von mir vorgenommen worden.

Wenn auch bei maßstäblichem Aufzeichnen des Entwurfs der Fehler erkannt werden müsste, wären Verunsicherungen bei den Drachenfreunden, die beabsichtigen, den Großen Onkel zu bauen, nicht auszuschließen. Um dem Vorzubeugen habe ich den Weg über unser Forum und diesen Thread für die Information gewählt. Er mag ungewöhnlich sein für eine Korrektur in einem Buch, aaaaber der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel, auch wenn nur einer vor einem Baufehler bewahrt bleibt.

Danke fürs Zuhören. :H:

Retnüg

Quelle: drachenforum.net

Wolsing-Schnipsel (Teil 1)

Günter Wolsing ist bekannt als Meister des Flickwarks. Seine Drachensegel, die aus vielen kleinen Spinnaker-Schnipseln zusammengefügt werden, ergeben einen echten Augenschmaus. Dass Drachenfreund Michael “Johnboy” Koch sich mit ihm als Schnipselmeister messen kann, beweist er mit seinem neuen Wolsing-Video, das er aus einer ganzen Sammlung kurzer Videosequenzen von Wolsing-Flügen zu einem sehr sehenswerten Film zusammen geschnipselt hat – viel Spaß mit Johnboy’s “Video-Flickwark”!

Günter Wolsing Gespanne



Kommentar von Günter Wolsing:

Zu Anfang ein 5er Team-Gespann, etwas unruhig gefilmt – das Gespann selber aber wackelt nicht. Am Ende des Spots wird es ruhiger. Irgendwo dazwischen fliegt Maike ihre 4 Kleinen Schwestern (Spannweite: 1,35 Meter), die sie mal von mir bekommen hat. Die `Biester` sind einfach schnell – näää, keine Speed-Drachen, ganz normale, meine Kleinsten.

Das Wesentliche, woran ich mich nur mit Schaudern erinnere, ist zweimal zu sehen, aber auch das, was NICHT zu sehen ist, muss ich erzählen: 9er Team-Gespann, Fanö 2005; Wind ca. 3-4 Stärken. Leine 100 kp, 100 Meter lang. Für mich üblich, nichts Besonderes. Das Gespann wurde aufgestellt und die Einstellung der Waage kontrolliert. Dabei hat der prüfende Freund den Anstellwinkel von Flach auf steil eingestellt mit nicht geahnten Folgen (siehe Spot). Normal werden meine Drachen bei einem so langen Gespann flach AUF den Wind gelegt und nicht steil GEGEN den Wind gestellt. Ich als Pilot wurde regelrecht überrascht von der nicht erwarteten Zugkraft beim Start und dem hochschießenden Gespann. Von daher konnte ich die Ringspulen nicht halten, die sich rasend schnell drehten und meine Hände verbrannten. Das merkte ich aber erst hinterher. Um nicht umgerissen zu werden ließ ich mich sofort auf meinen Allerwertesten fallen und stemmte mich mit den Hacken ab, rutschte vorher aber ein paar Meter. Freundin Maike hielt mich fest und damit war die Rutschpartie erst mal beendet. Als ich es im Zenit parken wollte und überlegte, ob ich den Start abbrechen sollte und wo es am besten gelandet werden könnte, machte ich einen unverzeihlichen Fehler. Ich veränderte meine Sitzposition etwas zur Seite und zugleich ließ Maike mich los, um ihre verspannten Arme auszuruhen – na ja, ich purzelte über den Strand und wusste nicht, wie mir geschah. Maike hechtete mir nach, klammerte sich an meinem Hosenbund fest und ich hielt krampfhaft die Leinen, bis ein riss. Das war`s dann, die Drachen fielen einfach runter ohne Schaden zu nehmen. Mir selbst war weiter nichts passiert (mein Schutzengel war wachsam) als eben Brandblasen an den Fingern und der Saum meiner kurzen Jeans war an beiden Hosenbeinen abgerissen. Ein gehöriger Schreck, was hätte sein können wenn – hat mir dann doch zu schaffen gemacht. Ich bin ja kein junger Hüpfer mehr und brauch meine Glieder unbeschadet. Nun, dann haben wir das Gespann neu aufgestellt, die Waage flach eingestellt und der folgende Start war wie gewohnt ohne Probleme.

Fazit: Vor jeden Start SELBST nachsehen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. So was war mir noch nie und ist mir auch nicht wieder passiert, aber es gibt halt bei ALLEM ein erstes Mal. Oder anders: Das Leben ist ein ständiger Lernprozess, auch unser Hobby, der im Grunde aus unzähligen ERSTEN MALE besteht.

Retnüg (Günter Wolsing)